Namen & Nachrichten 12. April 2011

Nordea: Investoren schichten um

(aav) Professionelle Investoren reagieren auf den Reaktorunfall in Japan und die Krise in Nordafrika und schichten ihre Portfolios um. Gewinner dieser Entwicklung sind russische und europäische Energiekonzerne, die Öl und Flüssiggas verkaufen. Die Abschaltung von Atomkraftwerken in Deutschland und der Reaktorunfall in Japan haben nach Beobachtung von Nordea bereits jetzt zu einer erhöhten Nachfrage auf dem europäischen Gasmarkt geführt.

„Die jüngsten Ereignisse in Japan und in den arabischen Staaten haben die bestehenden langfristigen Trends – das Ende des billigen Öls – nicht verändert, sondern beschleunigt“, erklärt Fondsmanager Richard Robinson, der für Nordea den European Alpha Fund verwaltet. Als Beispiel nennt Robinson den bisher durch ein Überangebot geprägten europäischen Gasmarkt. Dort hätten das Abschalten deutscher Atomkraftwerke sowie die steigende Nachfrage aus Japan infolge der Reaktorkatastrophe dazu geführt, dass der ursprünglich für 2015 erwartete Versorgungsengpass schon zwei Jahre früher eintreten werde. Robinson erwartet, dass Japan – schon heute mit einem 40-Prozent-Anteil größter Importeur von Flüssigerdgas – seine Nachfrage um weitere 3 bis 8% steigern wird. Den Bedarf dürfte Katar decken, bislang Hauptgaslieferant Europas. „Diese Nachfrageverschiebung wird den europäischen Energiemarkt stark verändern“, sagt Robinson. Er rechnet damit, dass in der Folge vor allem Energieunternehmen wie Gazprom, Royal Dutch Shell, Repsol und BG Group zu den Gewinnern zählen werden.

Aber auch die Krise in Nordafrika führt nach Ansicht von Robinson zu Umwälzungen im Markt für Öl-Services. Als Investor hat Robinson das Engagement in Öl-Service-Aktien in der MENA-Region (Middle East, North Africa) reduziert und investiert nun in europäische Unternehmen, die im Golf von Mexiko, Westafrika und Australien aktiv sind.

Eine unmittelbare Wirkung der Nuklear-Katastrophe in Japan auf Unternehmen und Wirtschaftszweige in Europa sei nur schwer abzuschätzen. Allerdings dürften die Hauptbetroffenen die Automobilindustrie und der Technologiesektor sein, wie sich anhand der Produktionsengpässe der vergangenen Tage gezeigt habe. „Im Zweifel werden die japanischen Produzenten ihre Nummer-Eins-Großkunden bei Lieferungen bevorzugen, und die kleineren Abnehmer schauen in die Röhre“, sagt Robinson. Langfristig könne aber die Krise die japanischen Unternehmen dazu zwingen, verstärkt auch im Ausland zu produzieren, und Unternehmen zur Optimierung ihrer Lieferkette veranlassen. Davon wiederum würden Lösungsanbieter wie SAP profitieren können, so Robinson.

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