Das lukrative Geschäft mit dem Zahlungsverkehr
(aav) In Zeiten von Eurokrise und drohender Rezession steht die Ertragskraft der Banken nur drei Jahre nach der letzten globalen Finanzkrise erneut unter Druck. Die Branche besinnt sich deshalb auf ein traditionelles, vermeintlich konservatives Geschäftsfeld: Das Transaction Banking. Viele Banken bauen ihre Stellung in dem derzeit rund 100 Mrd. Euro großen Wachstumsmarkt systematisch aus. Die neue Studie der Managementberatung Bain & Company „Margenstark, risikoarm und kundennah: Die Renaissance des Transaction Bankings“ gibt Aufschluss über jüngste Entwicklungen und aktuelle Herausforderungen, wie die wachsende Konkurrenz durch Nicht-Banken oder den steigenden Investitionsdruck in neue IT-Systeme. Die Studie zeigt darüber hinaus, wie Finanzinstitute ihre Position im attraktiven Transaction-Banking-Markt verbessern können.
Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 hat das Transaction Banking – der Zahlungsverkehr sowie die Finanzierung von Importen und Exporten – eine regelrechte Renaissance erfahren. Denn es lieferte selbst in der Krise stabile Erträge und Gewinne. Bain & Company hat diesen Markt und seine Entwicklung analysiert: Von 2006 bis 2010 stiegen die Erträge im weltweiten Zahlungsverkehr im Durchschnitt um 4% pro Jahr auf 85 Mrd. Euro. Infolge der rasanten Globalisierung erhöhten sich die Erträge in der Handelsfinanzierung sogar um 7% jährlich auf zuletzt 15 Mrd. Euro. Bis 2015 erwartet Bain einen weiteren Anstieg der Erträge in diesen beiden Geschäftsfeldern auf insgesamt 128 Mrd. Euro.
Für Banken ist dieser Wachstumsmarkt gleich in mehrerer Hinsicht sehr attraktiv: Da sie einen Großteil ihrer Erträge mit Zinsen und Gebühren erwirtschaften, müssen Banken für das Transaction Banking auch unter Basel III, wenn überhaupt, nur wenig Eigenkapital vorhalten. Dieser Umstand trägt entscheidend dazu bei, dass sie operative Margen von 30% und mehr erwirtschaften können.
Nicht-Banken greifen ein Kerngeschäft der Banken an
Der enge Kundenkontakt sowie die attraktiven Margen führen derzeit dazu, dass insbesondere die weltweit „großen Fünf“ in diesem Geschäftsfeld – Citigroup, Deutsche Bank, HSBC, J.P. Morgan und Standard Chartered – ihre Marktstellung systematisch ausbauen. Nach Bain-Analysen stehen sie dabei jedoch, wie alle anderen Marktteilnehmer auch, vor großen Herausforderungen: Neben der Globalisierung der Handelsströme und dem Preisdruck für Standardprodukte zählt dazu die Forderungen der Kunden nach integrierten Lösungen (Corporate Financial Management), was wiederum hohe IT-Investitionen nach sich zieht. Selbst während der jüngsten Finanzkrise stockte daher rund die Hälfte der Banken ihr IT-Investitionsbudget noch einmal auf.
Eine besondere Gefahr liegt zudem im wachsenden Wettbewerbsdruck durch Nicht-Banken: Dienstleister wie Paypal bieten mittlerweile internationale Geldtransfers ohne Einschaltung einer Bank. IT-Anbieter wie SAP und Oracle erweitern ihr Leistungsspektrum um Treasury-Funktionen.
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